Taxi

Taxi von Graupner, nach altem Plan als E-Modell gebaut.

In meiner Zeit als Kind hatte ich schon sehr früh den Traum vom fliegen geträumt, Flugzeuge und Hubschrauber zogen mich unwiderstehlich an. Eines der wenigen Modelle, die mir bei Graupner gut gefielen, war das Taxi. Als ich in die Fliegerei mit ferngesteuerten Modellen einstieg, war der Baukasten dieses Modells aber nirgendwo zu bekommen. Also wurden andere Modelle gebaut und geflogen, das Taxi kam erstmal an das hinterste Ende der Wunschliste. Bis der Baukasten nicht mehr lieferbar war! Inzwischen flog ich RC-1 Maschinen wie die Curare, und 1990 stieg ich dann ganz auf den E-Antrieb um. Speed 500 und 600 mit 6 - 8 NC-Zellen trieben so manche Modelle an, auch Motoren wie Keller 25-5, Keller 100-6 und Webra 15-10 wurden angeschafft und überzeugten voll, auch der sonore, leicht dröhnende Sound dieser Motoren mit ihren Samarium-Kobalt und Neodym Magneten überzeugte. Das Taxi kam mir wieder in den Sinn, mit dem schlanken Rumpf und den bekannt guten Flugeigenschaften auch bei hoher Flächenbelastung müßte das doch ein ideales Modell für Elektroantrieb sein! Ich dachte dabei an meinen Webra 15-10 mit einem 11x6 Prop und 8 oder mehr NC-Zellen oder die damals neuen NI-MH mit bis zu 3300 mAh Kapazität. Aber ich konnte weder einen Baukasten noch einen Plan auftreiben, und die Besitzer eines Baukastens wollten schon damals den doppelten Neupreis dafür haben. Nein, Geier füttere ich nicht! Also rückte das Taxi in weite Ferne, bis mein bester Freund auf den Gedanken kam, ob so ein "Billigmotor" wie der Speed 600 wohl auch ein leicht gebautes Taxi antreiben könnte. Er hatte noch einen originalen Bauplan! Aufgrund des schlanken Rumpfes war ich der Meinung, daß ein Speed 600 BB 8.4 Volt mit 8 Zellen das Taxi zum fliegen bringen kann, wenn es nur leicht genug gebaut wird. Also baute er das Modell, wobei ich ihm wegen Leichtbau mehrmals half. Inzwischen hatte er den Motor gekauft, den ich zum einlaufen mit zu mir genommen hatte. Das Experiment glückte, und dank der 65 mm Ultraleicht-Räder aus Schaumstoff war sogar von Rasen des Modellflugplatzes ein Bodenstart möglich. Der Motor mußte sich dabei ohne den Rückschlußring mit einem Graupner Slim Prop mit 9x5 mühen, eine Kombination, bei der jeder Antriebsrechner roten Alarm ausgibt! Aber die volle Leistung wurde nur für den Start benötigt, einmal im Steigflug, konnte die Leistung schon ein wenig reduziert werden. Erstmal oben, genügte etwas weniger als Halbgas zum fliegen. Der Motor hat das jahrelang und mehrere hundert Flüge lang klaglos mitgemacht, ehe er durch einen Absturz leicht beschädigt wurde. Das Taxi wurde von meinem Freund wieder repariert, viel war nicht kaputt gegangen, und diesmal richtig schön gemacht. Jetzt wog das Taxi etwas mehr, und der inzwischen von mir reparierte Motor hatte mit dem bißchen Mehrgewicht zuviel Mühe. Nach einigen Experimenten mit mehreren edlen Bürstenmotoren habe ich meinem Freund meinen ersten Brushlessmotor, einen AXI 2820/10, mitsamt Steller ausgeliehen. Damit hatte das Taxi erstmals Leistungsüberschuß und mein Freund war überzeugt, er kaufte sich einen ungefähr gleichwertigen Brushless, einen Hacker A30-12L mitsamt passendem Steller. Irgendwann hatte ich mal erwähnt, daß so ein Taxi schon immer mein Wunsch war, und zu einem Geburtstag bekam ich dann mein Taxi. Ich wunderte mich schon, als er fragte, wie ich denn ein Taxi farblich gestalten würde, und pünktlich an meinem Geburtstag bekam ich es! So bespannt, wie es auf den Fotos zu sehen ist.

 

Zuerst flog ich mein Taxi mit einem AXI 2820/10 mit 8 GP 3300 und 3700 mAh Zellen. Die damit erzielbaren Flugzeiten verblüfften viele andere Modellpiloten. Aber irgendwann waren diese Akkus nach vielen Jahren Einsatz trotz meines guten Reflexladers mal verbraucht, Lipos aber bezahlbar geworden. Also wurde umgerüstet auf einen 3S Lipo, wegen der höheren Spannung ein kleinerer Propeller montiert, und die Strommessung ergab: alles im grünen Bereich, weniger Strom als mit den alten Akkus, und trotzdem etwas mehr Leistung bei geringerem Gewicht. Nach mehreren hundert Flügen mit den alten Akkus quittierte der AXI denBetrieb mit den Lipos nach nur wenigen Flügen, indem er mit Magneten um sich werfen wollte. Was ich bisher nur vom hörensagen kannte, war grausame Realität geworden, der mit den Nickelakkus so zuverlässig gelaufene Motor war ruiniert. Als Ersatz wurde ein im Angebot befindlicher Hyperion Z3013-16 angeschafft. Dieser sorgt jetzt schon jahrelang mit einer 10x5 APC-Sport Luftschraube für mehr als genug Leistung, um auch bei mittlerem Wind noch gut fliegen zu können. Dank der Querruder bleibt das Taxi dabei immer voll manövrierfähig. Als Steller dient ein Kontronik PIX 4000, der sich als einfacher und robuster Steller bestens bewährt hat. Als Stromquelle dient jetzt ein Turnigy 3S 3300 mAh 20C Lipo, der nach jedem Flug nur leicht handwarm wieder aus dem Modell genommen wird. Die Leistung mit der 10x5 Luftschraube liegt zwar deutlich über dem, was dieses Modell benötigt, aber Reserven schaden nie. Besonders an windigen Tagen oder wenn es plötzlich aufböht, bin ich froh, daß der Antrieb das schöne Modell jederzeit gut wegziehen kann.

 

Vorher flog das Taxi mit etwas schwächeren und leichten 3S 5000 mAh 8C Lipos mit weniger guter Spannungslage und erreichte damit mehrmals Flugzeiten von 45 Minuten, ohne den Akku unter die 20 % Grenze zu bringen. Da ich die 3S 5000 mAh Lipos immer ziemlich weit nach hinten schieben mußte und das etwas unbequem war, bin ich für dieses Modell auf die leichteren Turnigy 3S 3300 mAh 20C Akkus umgestiegen. Durch die recht gute Spannungslage des Turnigy Akkus kann ich den Strom im Flug niedrig halten, aber auch genug Reserven abrufen, um das Modell nahezu senkrecht wegziehen zu können. Selbst bei Wind fliege ich damit sichere 18 - 20 Minuten bei maximal 2500 mAh Verbrauch. Bei ruhigem Wetter kann ich 30 Minuten oder länger gemütlich fliegen. Die IISI Telemetrie warnt mich dabei rechtzeitig vor dem leer werdenden Akku.

 

Dieses Taxi fliegt ausgezeichnet, ist gutmütig, kann dank der Antriebsleistung aber auch sehr sportlich geflogen werden. Trotz des E-Antriebs wird es auch sehr oft als altes Graupner Taxi wiedererkannt, manchmal sogar von jungen Leuten. "Ist das ein Taxi von Graupner? So eins hat mein Opa auch noch, das wollen wir bald wieder flugfertig machen". Muß ich erwähnen, daß dies mein meistgeflogenes Modell ist? Ich habe Kunstflugmaschinen im Hangar, aus Holz, auch Schäumlinge, aber das Taxi ist und bleibt wohl noch lange mein Favorit. Es ist ein wahr gewordener Jugendtraum.

 

Akku: Turnigy 3S 3300 mAh 20C

 

Im Rumpf arbeiten 2 Standard-Servos, robbe FS 100 auf Höhenruder, Graupner C 5007 für Seitenruder und Bugrad. In der Tragfläche steuert je 1 17 Gramm Servo ein Querruder an, die Differenzierung der Querruder erfolgt senderseitig.

 

Die Fotos wurden von Gerd Giese aufgenommen und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt.