Helis

Nachdem ich Flächenmodelle sicher fliegen konnte, war ich Ende 1978 auf der Suche nach einem richtig schönen Kunstflugmodell. Helis fand ich zwar interessant und sie reizten mich auch, sie waren aber auch sehr teuer. Also war ich mit genug Bargeld für einen Baukasten eines RC-1 Modells, 10 cm³ Verbrennungsmotor, Servos, Empfänger und Zubehör unterwegs durch die damals noch zahlreichen Modellbaugeschäfte. In Hamburg bekam ich dann ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte. Ein Baukasten des Schlüter Heli-Baby mit 6,5 cm³ Webra-Motor, 4 gute und teure Servos und ein Adapter für meinen E-Starter wurden mein Eigentum, dazu noch das Fachbuch "Hubschrauber ferngesteuert", ebenfalls von Dieter Schlüter. Ein Buch, das auch heute noch absolut empfehlenswert ist! Mit Hilfe der guten Bauanleitung und des Fachbuchs gelang dann auch der fehlerfreie Aufbau des Helis. Und ich schaffte es, mit ihm fliegen zu lernen, ganz ohne Hilfe. Es war mühsam, gelang aber dank Sorgfalt und Vorsicht ohne Bruch. Auf den Modellflugplätzen waren Helis noch unbekannt, und sie hatten den Ruf, nach kurzen Schwebeflugversuchen wieder kaputt zu sein. Also übte ich mit Genehmigung des Grundbesitzers auf einer Elbwiese, bis ich den Rundflug sicher beherrschte. Der Rundflug war fast wie das fliegen eines Trainers mit Querrudern, aber das abstoppen in den Schwebeflug war ohne Kreisel für den Heckrotor sehr schwierig. Mit viel üben und etlichen Adrenalinstößen gelang es mir dann, auch diese schwierige Situation zu meistern. Dann kam der große Tag, ein Sonntag, der Heli wurde erstmals mit auf den Modellflugplatz genommen. Dort gab es viele neugierige Blicke und noch mehr spöttische Bemerkungen wie "jetzt bekommen wir mal richtig Schrott zu sehen". Na Danke!

 

Als ich dann den Tank des Helis füllte, landeten alle anderen Piloten ihre Modelle, das wollte sich Niemand entgehen lassen. Der Motor sprang wie gewohnt sehr schnell an und tuckerte im Leerlauf ruhig vor sich hin, also ab auf den Rasen mitten auf dem Platz und ganz langsam Gas geben. Abheben, er schwebt, jetzt in die Mechanik reinhorchen - keine ungewohnten Geräusche, der Motor brummelt dank des Minivox Super Silent Dämpfers gleichmäßig vor sich hin, alles gut. Die einzigen fremden Geräusche kamen von den Fotoapparaten, die fast unaufhörlich klickten und klackten. Inzwischen war ich rückwärts in den Bereich zurück gegangen, in dem wir Piloten sonst auch immer standen, der Platz war also frei. Frei? Ein kurzer Blick links, einer rechts, ok, die Kameraleute standen weit genug weg vom Heli. Nase nach links, etwas Nick nach vorne und ein wenig mehr Gas, der Heli beschleunigt und ein Raunen ist zu hören. Jetzt bin ich mein normales Flugprogramm geflogen, Vollkreise, Achten, simuliertes absetzen oder aufnehmen von Personen mit den Kufen dicht über dem Boden. Als der Tank nur noch ca. 1/3 voll ist, wird sauber gelandet. Langsam Gas weg, damit die Kupplung Zeit zum auskuppeln hat, ruckartig funktioniert das nämlich nicht. Als der Motor im Leerlauf ist und von mir per Trimmung am Sender abgestellt wird, ist erstmal Ruhe, dann bricht ein Tumult aus, als wäre Deutschland in sämtlichen Sportarten gleichzeitig Weltmeister geworden! Einen Heli hatte noch nie Jemand im Flug gesehen, nur davon gehört, daß die Dinger oft mal gerade so schweben können. Ich sehe 2 Autos wegfahren, später habe ich erfahren, daß die Leute rumtelefoniert haben, sämtliche Vereinsmitglieder und Vorsitzende anderer Vereine waren "alarmiert" worden: bei uns auf dem Platz fliegt einer mit einem Heli. Nein, nicht nur schweben, der fliegt richtig! Knapp 1 Stunde später ist auf unserem Modellflugplatz mehr los als sonst auf einem Flugtag, ein fliegender Modellheli ist 1979 eine Sensation, Jeder will das sehen und miterleben.

 

Dieser Flugtag endete erst, als der neu gekaufte 5-Liter Kanister mit dem Sprit leer ist, obwohl er zwischendurch noch um 2 - 3 Liter ergänzt wurde, die ich für´s weiter fliegen geschenkt bekommen hatte. In der Zwischenzeit hatte ich mehrmals den Empfängerakku schnellgeladen, den Heli durchgecheckt und unzählige Fragen beantwortet. Am Abend war ich so heiser, als hätte ich eine akute Halsentzündung. Außerdem hatte ich einen Haufen Zettel mit Terminen für Flugtage in der Tasche, die ich gar nicht alle besuchen konnte. Auf einigen der Flugtage war ich und konnte dort neben dem Heli-Baby auch die Graupner Bell 47 G vorfliegen, die ich zwischendurch aufgebaut und eingeflogen hatte. Diese kleine Bell war technisch und fliegerisch anspruchsvoller, aber dank ihrer Optik der Publikumsliebling.

 

Erst mein 3. Heli war dann pitchgesteuert und bekam einen Heckkreisel, es war ein Schlüter Mini-Boy. Und so einen Heli besitze ich heute wieder, muß ihn noch restaurieren - und dann wird er wieder fliegen.

 

Heute fliege ich nur noch elektrisch, habe mich viel mit der 450er Klasse beschäftigt, besonders mit den e-sky Belt CP und HK Helis. Viele davon habe ich als "Schrott" geschenkt bekommen, die waren aber nur verbastelt bzw. absolut flugunfähig gebastelt worden. Nach der Reparatur flogen sie alle wieder und tun das teilweise heute noch. DIe absolute Krönung ist ein HK-600 GT, der dermaßen verbastelt wurde, daß er garantiert im Flug auseinander gefallen wäre. Die Frage ist dabei nicht, ob, sondern wann er das getan hätte, und welches Teil dabei zuerst weggeflogen wäre. Oder ob er durch Ausfall eines der Servos abgestürzt wäre, hier war absoluter Schrott verbaut, und das auch noch unsachgemäß.

 

Wer ein gemütliches Forum zum Erfahrungsaustausch und Fragen stellen sucht, ist beim rchelitreff bestens aufgehoben.