Nano-Tech Lipos

Nano-Tech Lipos richtig behandeln

Die Turnigy Nano-Tech Lipos werden mit ihrer hohen Leistungsfähigkeit, hoher Zyklenfestigkeit und weiteren Vorteilen beworben. Nun, abgesehen von den C-Raten stimmt das tatsächlich, aber man muß sie dafür auch richtig behandeln. Einmal eine einzelne Zelle zu tief entladen, ist der Akku dauerhaft geschädigt und wird nie mehr seine Leistung bringen. Das sieht dann so aus:

Was war da passiert? Ganz einfach, ich hatte Mist gebaut! Den Akku zu lange und bei zu kaltem Wetter ohne vorwärmen geflogen, dabei war Zelle 1 zu tief entladen worden und hatte sofort einen dauerhaften Schaden weg. Auch mehrere Zyklen am Ladegerät mit 0.5C konnten nichts mehr retten. Mit Telemetrie wäre ich rechtzeitig gewarnt worden, aber die hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Am Ladegerät zeigte sich dann immer das gleiche Bild. Zelle 1 ging in der Spannung früher hoch als die anderen, um gegen Ladeende bei nachlassendem Ladestrom wieder abzusacken. Der vorher schnelle Ladevorgang mit kurzer CV-Phase dauerte nun auch ca. 50 % länger als vorher. Beim entladen mit 2.5 A, also 0.5C, sah es nicht besser aus:

Ganz eindeutig, Zelle 1 hatte einen bleibenden Schaden, und es war mein Fehler. Heute weiß ich, wie man den Turnigy Nano-Tech Lipos zu einer langen Lebensdauer verhelfen kann. Die Lipos sind durchaus Zimtzicken, wenn sie einmal falsch behandelt wurden, sind sie kaputt. Was ein blauer Turnigy oder Zippy Flightmax noch locker wegsteckt, macht den Nano-Tech kaputt.

 

Aus meinen Erfahrungen heraus kann ich heute niederschreiben, was diese Lipos nicht mögen und wie man sie richtig behandelt.

 

- Niemals zu tief entladen, unter hoher Last sollten sie nie unter 3.4 Volt pro Zelle fallen

- bei eher moderaten Belastungen sollte die Zellenspannung nie 3.5 Volt unterschreiten

- niemals bei kaltem Wetter ohne vorwärmen fliegen, denn wenn sie kalt hoch belastet werden, nehmen sie das oftmals übel

- niemals einen kalten Akku bei unter 18 - 20 Grad Lufttemperatur mit mehr als 1C laden

- niemals eine Zelle auf über 4.20 Volt laden, das macht sie nicht lange mit

- niemals länger als wenige Stunden voll aufgeladen liegen lassen, das führt schnell zu Blähungen und hohem Innenwiderstand

 

Die Nano-Tech Lipos mögen es eher warm, dann wird ihr Innenwiderstand niedrig und sie haben auch bei hohen Belastungen noch eine sehr gute Spannungslage. Man darf es dabei nur nicht zu weit treiben und sie überhitzen, ihre optimale Arbeitstemperatur liegt für Hochleistung bei 35 - 45 Grad Celsius. Für eher moderate Leistungen mit Flugzeiten um die 8 - 10 Minuten genügen durchaus schon 25 Grad. Dank ihrer dabei guten Spannungslage merkt man leider nicht, wenn der Akku leer wird. Telemetrie mit Erfassung der verbrauchten Kapazität ist bei diesen Akkus fast schon Pflicht. Lieber etwas kürzer fliegen, dafür aber öfter. Wenn es im Sommer so warm ist, daß der Pilot schwitzt und andere Lipos schon zu warm oder heiß werden, dann fühlt der Nano-Tech sich so richtig wohl. Jetzt glänzt er mit einer exzellenten Spannungslage ohne vorwärmen, die auch sehr stabil bleibt. Jetzt droht eher dem Rest des Antriebs Ungemach, Motor und Steller bzw. Regler können überhitzen, während der Lipo sich richtig wohl fühlt. Gerade hierbei besteht ohne Telemetrie die Gefahr, daß man den Akku zu leer fliegt und damit ruiniert.

 

Aktuell habe ich wieder 2 Nano-Tech im Einsatz, wobei der 6S 5000 mAh schon mehrere Jahre alt ist und dank der nun richtigen Behandlung immer noch gut und blähungsfrei funktioniert. Der 4S 3300 mAh 35C für meine Sbach 342 1400 mm zeigt jetzt schon im 2. Jahr, daß die Nano-Tech Lipos durchaus über mehr als 1 Flugsaison eine sehr gute Leistung bringen können. Die Dinger sind nunmal Sensibelchen, die müssen regelrecht gehätschelt und getätschelt werden, damit sie nicht kaputt gehen. Aber sie zeigen dann auch beeindruckende Leistungen und können lange halten. Auch an die Ladetechnik stellen die Nano-Tech hohe Ansprüche, denn es darf nie zu Überspannung bei einer oder mehrere Zellen kommen. Mit einem Junsi Lader und der Einstellung auf 4.18 Volt Zellenspannung für den Ladeschluß liegt man auf der sicheren Seite, das bißchen weniger Spannung merkt man nicht, und eine Flugzeiteinbuße ist praktisch nicht vorhanden. Liegen die Zellen nach einem Flugtag noch deutlich über 3.70 Volt, kommt der Akku an ein Ladegerät und wird mit 0.5C auf 3.6 Volt Zellenspannung entladen. Damit ist er lagerfähig, er erholt sich in kurzer Zeit auf ca. 3.65 Volt und das ist nach meiner Erfahrung eine gute Lagerspannung für die Nano-Tech und auch Lipos allgemein. Allerdings darf man bei dieser niedrigen Lagerspannung nicht zu faul sein und die Lipos einfach liegen lassen. Eine regelmäßige Überprüfung der Lagerspannung alle 2 Wochen ist hier nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig! Wer sich diese Arbeit sparen möchte, sollte die Lipos lieber bei 3.70 - 3.80 Volt Zellenspannung einlagern.