Servos vorbereiten

Servos für den Einsatz vorbereiten, Test und Schmierung

Servos vorbereiten? Die sind doch ab Werk einsatzbereit, oder doch nicht? Ja und auch nein, das hängt vom Hersteller ab, wie dort gearbeitet wird und ob gerade genug Fett zur Schmierung der Getriebe zur Verfügung steht. Die einzigen Servos, die bisher immer gut geschmiert in meine Hände kamen, waren von Futaba. Gut, die kosten auch oft ein kleines Vermögen, sind dafür aber auch sehr hochwertig und funktionieren aus der Packung heraus innerhalb ihrer Spezifikationen einwandfrei. Sorgfältige Arbeit und eine vollwertige Endkontrolle im Werk kosten Geld. Das macht sich dann auch im Verkaufspreis bemerkbar, der Käufer zahlt dafür. Was ist aber, wenn die Hobbykasse chronisch krank ist, wenn das Geld nur für günstigere Servos reicht oder man nicht gewillt ist, soviel Geld in das Hobby zu investieren? Muß man dann auf gute Servos verzichten?

 

Nein, auf keinen Fall! Es gibt auf dem Markt viele gute Servos für die verschiedenen Anwendungen. Als Frührentner kenne ich das Problem "Geldmangel" leider auch gut, und trotzdem werkeln in meinen Modellen teilweise sehr gute Servos. Das Geheimnis dabei ist, daß ich die Endkontrolle selbst durchführe, und auch die Schmierung der Getriebe ist oft meine Sache. Ich mache das auch für meine Freunde, die sehr froh sind, daß Jemand ihre Servos für sie probe laufen läßt und die Getriebe schmiert. Im Gegenzug brauchte ich noch nie selbst das Fett dafür kaufen und kann es auch für meine eigenen Servos benutzen, und passende Schraubendreher habe ich auch immer, dafür wird schon gesorgt. Ab und zu bekomme ich als Dankeschön für meinen Zeitaufwand auch mal einen kompletten Satz gute Servos für ein Modell geschenkt. So haben wir alle etwas davon, und ich konnte im Laufe der Jahre sehr viel Erfahrungen mit den verschiedensten Servos sammeln. Seit ein paar Jahren kaufe ich Servos nur noch bei Hobbyking, ein paar davon habe ich hier in der Rubrik "Hobbyking Servos" bereits vorgestellt.

 

Am Beispiel eines RotorStar RS-610MGC-HV zeige ich nun, wie ich ein Servo einsatzbereit mache.

 

Zuerst einmal kommt das Servo bei der niedrigsten Betriebsspannung an den Servotester und wird dort mittels des Drehknopfes langsam hin und her bewegt. Oft hören sich die Servos dabei an, als wenn die Getriebe unzureichend geschmiert sind, und meistens ist das auch der Fall. Läuft das Servo bis auf das Getriebegeräusch einwandfrei, wird es geöffnet und meistens sieht das Getriebe so ähnlich wie auf dem Foto unten aus:

Viel zu wenig Fett, teilweise richtig trocken. So ein Getriebe würde vorschnell Spiel bekommen und verschleißen, also muß nachgeschmiert werden. Dazu verwende ich momentan noch das Präzisionsfett von robbe, die kleine Tube reicht für eine Vielzahl an Servos. Dieses Fett ist sehr weich, haftet aber gut und hat ausgezeichnete Schmiereigenschaften. Es darf nur nicht in Kugellager gelangen, da es dort zu gut schmiert und die Kugeln rutschen statt zu rollen. Von Futaba, Hitec und anderen Herstellern gibt es Servofett, das man natürlich auch verwenden kann.

 

Manche Servos sind zwar gut geschmiert, aber mit einem recht zähen Fett, das die Stromaufnahme in die Höhe treibt. Solche Servos fallen am Servotester dadurch auf, daß sie zwar ruhig laufen, dabei aber schnell sehr warm werden. Das geht auf die Lebensdauer des Motors und belastet die Stromversorgung im Modell unnötig hoch! Hier hilft kein einfaches nachschmieren, sondern das alte Fett muß komplett weg. Dazu muß dann leider das Getriebe komplett ausgebaut und in Waschbenzin oder Brennspiritus von dem oft klebrigen Zeug befreit werden. Wer einen Sprühreiniger für Elektronik oder Tonköpfe von Videorekordern griffbereit hat, kann die Zahnräder auch damit entfetten. Dann auf jeden Fall eine alte Zeitung oder Zeitschrift als Unterlage benutzen und egal wie man es macht, auf gute Lüftung achten und nicht dabei rauchen! Die Dämpfe können hochentzündlich sein, und wir wollen uns ja nicht verbrennen und unseren Bastelraum ruinieren. Danach lassen wir die Zahnräder erstmal trocknen und ablüften, bevor wir das Getriebe wieder zusammensetzen und schmieren. Hierbei sollten die Achsen, auf denen die Zahnräder laufen, nicht vergessen werden.

Mit dem Servotester wird das Servo langsam in eine Endstellung gebracht. Jetzt weiß man, wohin sich welches Zahnrad drehen wird, wenn man es in die andere Richtung bewegt, und setzt entsprechend ein paar kleine Tropfen Fett. Jetzt wird das Servo in die andere Endstellung gefahren und der Vorgang dort auf der anderen Seite wiederholt. Durch langsames hin und her fahren verteilt sich das Fett jetzt und benetzt alle Zahnräder.

Das Fett hat sich jetzt verteilt und man schaut, ob irgendwo noch ein bißchen fehlt. Ruhig von allen Seiten schauen, dabei aber aufpassen, daß sich keine der Achsen verabschiedet. Im Zweifelsfall lieber noch ein bißchen Fett dazu geben, aber das Servo bitte nicht "vollschmaddern". Ist das Fett gut verteilt, wird das Servo wieder zusammengesetzt und kommt an den Servotester. Erstmal langsam per Drehknopf hin und her bewegen, läuft es ruhig und gleichmäßig? Wenn ja, dann kann es jetzt im Automatik-Modus mehrere Minuten bei geringer Geschwindigkeit "einlaufen". Dabei verteilt sich das Fett endgültig, und der Motor kann sich ohne Last ein bißchen einarbeiten. Nach 5 Minuten sollte das Servo ruhig laufen und nicht warm oder höchstens ganz leicht handwarm geworden sein. Ist es deutlich fühlbar warm, muß geprüft werden, ob das Getriebe vielleicht durch das zu eng sitzende Gehäuse ein bißchen eingeklemmt wurde. Bei manchen sehr günstigen Servos kann das passieren, dann lockert man die Schrauben ein klein wenig und schon ist der Fehler behoben.

Hier der Testaufbau mit Servotester und Akku. Ja, die RotorStar RS-610MGC-HV arbeiten wie auch die RS-550MGC-HV schon an einem 4.8 Volt Akku einwandfrei, zum testen auf jeden Fall ausreichend. Der Servotester ist von Hobbyking, günstig, aber sehr gut. Man kann diesen Servotester auch von Standard 1520 µS mit 66.6 Hz auf 760 µS Impulsweite mit 560 Hz Ansteuerfrequenz umstellen, womit er auch für die speziellen Heckrotorservos eingesetzt werden kann. Das erspart bei solchen Servos die Inbetriebsnahme des Gyros oder FBL-Systems mitsamt Heli, nur um ein Servo zu überprüfen. Es können bis zu 4 Servos gleichzeitig angeschlossen werden, und der Servotester ist auch HV-tauglich. Eine richtige kleine "eierlegende Wollmilchsau" und für mich ein wertvoller und zuverlässiger Helfer, um die Servos auf ihren Einsatz im Modell vorzubereiten.

 

Wer mit Verbrennungsmotoren fliegt oder einfach ganz sicher sein will, kann die Servos während des Testlaufes mittels eines Schwingkopfrasierers Vibrationen aussetzen. Damit kommt man Wackelkontakten sehr schnell auf die Spur. Man kann dies auch ruhig schon beim allerersten Test ausprobieren, zuckt ein Servo hierbei schon, lohnt sich die weitere Arbeit daran nicht und man reklamiert es.

 

Mit wenig Aufwand an Material (Servotester, Fett) und etwas Zeit zum basteln kann man seine Servos optimal vorbereiten. Die von mir so einsatzbereit gemachten Servos sind bis jetzt alle unauffällig und sehr zuverlässig, teilweise schon über viele Jahre. Sie laufen leicht und verbrauchen entsprechend weniger Strom als nicht vorbereitete Servos.