Turnigy Lipos

Tips zu den Turnigy Lipos

Manchmal werde ich gefragt, wieso meine Turnigy Lipos nur selten dick und rundlich sind, und wieso sie in meinen Modellen für kraftvollen Vortrieb bzw. Auftrieb sorgen. Ich wurde sogar schon verdächtigt, meine Turnigy Lipos 2x im Jahr auszuwechseln, also die nur wenig gebrauchten gegen neue auszutauschen. Das ist natürlich Blödsinn, das würde den günstigen Anschaffungspreis ad absurdum führen. Tatsächlich halten meine blauen Turnigy immer mindestens 2, meistens sogar 3 Jahre. Dabei machen sie um die 250 - 300 Zyklen mit, bevor sie zu schwächeln beginnen. Dabei habe ich auch keine Probleme mit driftenden Zellen innerhalb eines oder mehrerer Packs.

 

Jetzt fragen sich manche von Euch sicher "Wie machst du das, ich habe die Turnigy ausprobiert und fand die eher schlecht".

 

Nun, erstmal ist es wichtig, sich die richtige Ladetechnik anzuschaffen. Und zu lernen, damit umzugehen. Dann muß man die Limits der Lipos beachten, die blauen Turnigy werden beispielsweise nicht für höhere Laderaten als 1C beworben. Also sollte man auch nicht über diese 1C Laderate hinaus gehen, sondern sich daran halten. Zusätzlich kann man die Ladeendspannung auf 4.18 Volt pro Zelle reduzieren, das kostet kaum Kapazität und Flugzeit, schont die Lipos aber.

 

Soviel also zum laden, wie sieht es beim entladen aus bzw. im Flugeinsatz? Nun, als Freund der etwas älteren Modelle bzw. der Retro-Nachbauten, sind meine Leistungsansprüche meistens nicht übermäßig groß. Nehmen wir als Beispiel von Durafly das Modell "Das Ugly Stik" aus der Retro-Serie von Hobbyking. Dort beträgt der maximale Strom bei Vollgas 24 A mit einem 30C Lipo, mit einem 20C Lipo fließen da eher 22 A. Bei den verwendeten 2200 mAh Lipos bedeutet das eine C-Rate von etwas über 10C als Peak, während beim gemütlichen rumcruisen maximal 10 A fließen, also weniger als 5C Belastung für den Lipo. Ist es jetzt sommerlich warm, zwischen 20 und 30 Grad Celsius, liegen die Lipos schon in einem sehr guten Temperaturbereich. Vorwärmen ist bei diesen Temperaturen und Belastungen nicht notwendig. Wird es kühler, sackt abends die Lufttemperatur auf unter 15 Grad ab, dann sollten die Lipos besser vorgewärmt werden. Denn der Innenwiderstand steigt durch diese etwas geringere Temperatur schon stärker an, als viele Anwender vermuten. Die Folge ist, daß man einen spürbaren Leistungsverlust hat, selbst mit einem Modell wie dem Ugly Stik. Und der Lipo sich durch die Belastung dank des höheren Innenwiderstands stärker aufheizt als sonst. Das kann dazu führen, daß man bei kühlem Wetter den Lipo wärmer aus dem Modell holt als bei wärmeren Wetter. Der Lipo wird durch die höhere Eigenerwärmung stärker gestreßt, was seine Lebensdauer verkürzt. Ein oft bei kühlem Wetter ohne vorheizen und hoher Belastung geflogener Lipo kann schon nach weniger als 100 Zyklen schwach werden. Je höher jetzt die Belastung wird, desto drastischer wirkt sich dieser Effekt aus, schlimmstenfalls kann man einen hoch belasteten 30C oder 40C Lipo dann schon nach 20 - 30 Zyklen für die Entsorgung vorbereiten. Als kleine Faustregel kann man sagen, daß bei ca. 15 Grad Lufttemperatur die C-Rate des Lipos gegenüber einem bei 30 - 35 Grad betriebenen schon halbiert ist, ein 40C also zu einem 20C wird, ein 20C zu einem 10C. Ein Lipo Heizkoffer ist kein Luxus, sondern eher ein notwendiges Zubehör, das die Lebenserwartung unserer Lipos deutlich erhöhen kann.

 

Nun fliege ich aber teilweise ohne vorheizen bei ca. 15 Grad Lufttemperatur und meine Lipos gehen trotzdem nicht vorzeitig kaputt. Der Trick hierbei ist, beim Start nicht mit Vollgas loszurasen, sondern eher mit ca. 3/4 Gas oder etwas mehr zu starten und Vollgas in den ersten 1 - 2 Minuten ganz zu vermeiden. Dadurch erwärmt der Lipo sich langsamer und verringert dabei auch seinen Innenwiderstand, ohne in der Spannung allzusehr abzusacken. Gibt man nach diesen 1 - 2 Minuten Vollgas, fühlt sich das wie ein vorgewärmter Lipo an, die Spannungslage ist gut und die Flugleistung dementsprechend auch. Die Turnigy Lipos sind dabei sehr gutmütig und zeigen ihre Qualitäten als sehr gute Gebrauchsakkus. Wer sie aber nahe ihrer C-Rate betreiben möchte, sollte sie unbedingt auf 35 Grad vorheizen. Dabei sollte der Akku mindestens 1 - 2 Stunden im Heizkoffer sein, damit er ganz durchgewärmt ist. Für einen 3S 2200 mAh genügt eine Stunde, ein 6S 5000 mAh sollte besser bis zu 2 Stunden im Heizkoffer vorwärmen.

 

Wie sieht es mit Zellendrift aus? Dank zuverlässiger und sehr genauer Ladetechnik sehr gut! Fliege ich ca. 80 % aus dem Lipos, dann driften sie kaum, maximal 0.02 Volt. Oft messe ich nach einem Flug aber gar keinen Zellendrift mit meinem Meßkabel für einzelne Zellen. Unten sind die Zellenspannungen eines 4S 5000 mAh 20C zu sehen, der mit einem 2. gleichen Pack als 8S im 600er Heli geflogen wurde.

Wie man sieht, sind alle Zellen absolut identisch in ihrer Spannung.

 

Auf ein Bild klicken, um die Großansicht zu sehen.

 

Auch die Innenwiderstände der Zellen sehen für einen Lipo mit erst wenigen Zyklen schon gut aus:

Die Innenwiderstände gleichen sich nach 10 - 20 Zyklen auch recht gut aneinander an, besonders bei voll aufgeladenem Lipo sind die Werte dann ziemlich gut. Die oben gezeigten Werte sind vom weiter oben gezeigten Lipo mit je 3.76 Volt Zellenspannung, dafür sind sie wirklich gut, besonders für einen Lipo mit "nur" 20C.

 

Aber auch die 3S 2200 mAh Lipos zeigen sehr gute Werte, hier erstmal die von einen 30C Typ:

Auch hier wieder auf ein Bild klicken für die Großansicht. Dieser Lipo ist ein fast neuer 30C mit aktuell ca. 10 Zyklen, vor dieser Messung im Durafly Ugly Stik geflogen. Der Flugstil dabei war dynamischer Kunstflug mit einem eher geringen Vollgasanteil. Wie man sieht, driftet auch dieser Lipo gar nicht. Daß er nicht leerer geflogen wurde, lag an einsetzendem Regen. Die Innenwiderstände der Zellen können sich für die Zyklenzahl auch sehen lassen:

Mit zunehmender Zyklenzahl können Lipos schlechter werden, wenn sie hoch belastet werden. Bleibt die Belastung aber deutlich unterhalb ihrer C-Rate, dann bleiben die Turnigy auch nach langer Einsatzzeit bei guter Behandlung stabil und leistungsfähig. Hier die Zellenspannungen eines jetzt, am 10.07.2016, fast 3 Jahre alten Turnigy 3S 2200 mAh mit 20C, der bei ca. 200 Zyklen ist:

Auch hier sehr wenig Zellendrift, trotz des Alters. Die Innenwiderstände sind etwas höher gegangen durch die Benutzung, sind für einen 20C Lipo aber noch vollkommen ok. Wobei dieser Lipo auch mal versehentlich 4 Wochen fast voll aufgeladen gelagert worden war, bei ca. 4.0 Volt Zellenspannung.

Dieser Lipo hat immer noch keinerlei Blähungen, auch nicht direkt nach einem Flug, und wird nur minimal wärmer als ein gleicher Lipo mit deutlich weniger Zyklen. Dabei genügt er immer noch, um mit einem Modell wie dem Durafly Ugly Stik jede Menge Spaß zu haben. Auch aufwärts führende Kunstflugfiguren sind für diesen Lipo kein Problem, er hat bei günstigen Temperaturen eine ausreichend gute Spannungslage dafür. Der Unterschied macht sich erst bemerkbar, wenn die Lufttemperatur absinkt und dieser Lipo nicht vorgewärmt wird. Dann bricht er in der Spannungslage etwas stärker ein als die anderen. Ich bin sicher, daß dieses Verhalten durch die versehentliche Lagerung mit 4.0 Volt Zellenspannung verursacht wurde und er ohne diesen Behandlungsfehler noch deutlich besser wäre. Daß er diese Mißhandlung weggesteckt hat, ohne nach einem Flug auch nur leicht zu blähen, beweist mir erneut die Alltagstauglichkeit der Turnigy Lipos, gerade der von mir viel benutzten 20C Typen. Aber auch die 30 und 40C Typen sind alltagstauglich, müssen dafür aber ein bißchen sorgfältiger gehandhabt werden, sofern man ihre C-Rate annähernd ausnutzen möchte.

 

Für nähere Infos zur korrekten Handhabung von Lipos verweise ich hier wieder auf den Lipo-Leitfaden von Gerd Giese, den ich hiermit zu lesen empfehle. Gerd hatte auch schon Zippy und Turnigy Lipos mit 40C Rating auf der "Folterbank" und dort haben sie gar nicht schlecht abgeschnitten. Sein Testbericht ist zwar schon etwas älter, aber immer noch interessant.

 

Meine Messungen der Innenwiderstände sind keine absoluten Werte, sondern diese Messungen können nur als Vergleich dienen. Dazu sollten Meßgerät bzw. Ladegerät mit dieser Meßmöglichkeit, Umgebungstemperatur und Ladezustand gleich sein, um exakte Vergleichswerte zu haben. Leere Lipos haben einen höheren Innenwiderstand als voll aufgeladene, was man auch berücksichtigen muß.

 

Telemetrie mit Erfassung der Gesamtspannung und Kapazität ist wichtig, um eine lange Lebensdauer der Lipos zu erreichen. Wenn ich gemütlich fliege, kommt die Warnung bei 20 % Restkapazität, und bei rasantem Flugstil kommt bei einem 20C Lipo eher die Spannungswarnung bei 3.4 Volt, wenn ich mit 25 - 30 % Restkapazität noch kraftfordernde Figuren fliege. Wobei ich es vermeide, die Turnigy 20C auf unter 3.4 Volt Zellenspannung zu entladen. Ab den 30C Typen vermeide ich nach Möglichkeit Entladungen auf unter 3.5 Volt pro Zelle. Meistens lande ich aber schon mit 3.5 - 3.6 Volt Zellenspannung unter Last und bin damit auf der sicheren Seite. Dadurch und durch zuverlässige Ladetechnik, Lagerung bei 3.65 Volt Zellenspannung und laden nur bis 4.18 Volt Zellenspannung ein paar Stunden vor dem Einsatz erreiche ich mit den oft als "Billigakkus" bezeichneten blauen Turnigy hohe Zyklenzahlen bei nur geringen Verlusten in Kapazität und Spannungslage. Sie haben sich bei mir als robuste Gebrauchsakkus bestens bewährt und sind im Verhältnis zum Preis für meine Anwendungen extrem gut. DIe Turnigy 20C sind auch bestens für Dauerflüge geeignet, wie ich sie mit gemütlichen Retro-Trainern wie Taxi und besonders dem Engel Telemaster unternehme. Bei Flugzeiten von teilweise über 30 Minuten versagen sie nicht. Erst durch die Telemetrie bin ich dazu gekommen, die Flugzeiten weiter auszudehnen und habe schon bis zu 45 Minuten erreicht.

 

Neben den blauen Turnigy fliege ich noch Turnigy Nano-Tech für Modelle, die bei möglichst geringem Akkugewicht viel Kraft brauchen, und für gemütliche Flieger nutze ich mehrere MultiStar, die aber nur mit maximal 4C kurzzeitig belastet werden. Eine sehr gute Lebensdauer hatten außer den Turnigy bei mir die alten Saehan mit 16C Belastbarkeit und ein Thunder Power mit 45C.